Kamień Śląski (Groß Stein)

Kamień Śląski (Groß Stein) ist eine 1417 Einwohner zählende ländliche Siedlung, die in der Gemeinde Gogolin im Kreis Krapkowice (Krappitz), im Dreieck zwischen Opole (Oppeln – ca.24km) – der Hauptstadt des Oppelner Schlesiens und zugleich der ganzen Woiwodschaft – Strzelce Opolskie (Groß Strehlitz – ca.15km) und Góra św. Anny (Annaberg – ca.11km) gelegen ist.  Geographisch liegt das Dorf in der Mulde zwischen dem Flusstal der Oder und dem Annaberg, umgeben von einem weit reichenden Waldkomplex im Naturschutzgebiet „Groß Stein“. Kamień Śląski (Groß Stein) hat reiche Geschichte. Bereits im Mittelalter strahlte unter der Herrschaft des berühmten  alta-deligen Geschlechtes Odrovaz (Odrowąż) von hier Kultur auf das damalige Europa aus. Im Schloss, das im 17. Jahrhundert zum Palais umgebaut wurde, ist der hl. Hyazinth (Hyacinthus) geboren, dessen Kult einen ganz besonderen Einfluss auf den Ruhm dieses Ortes hatte, Über jahrhunderte war Groß Steiner Schloss Sitz mächtiger Ritterund Adelsfamilien. 

 

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Kriegshandlungen richteten Schoen größeren Ausmaßes an. Doch die schlimmsten Zeiten inder Geschichte de Groß Steiner Schlosses kommen auf die 60-er und 70-ger Jahre des 20. Jahrhunderts. Damals wurde das Schloss von der sowjetischen Armee übernommen, was zu seiner Zerstörung und schließlich zum völligen Untergang führte. Erst di politisch-gesellschaftliche Wende im Jahr 1989 machte es möglich, dass die Woiwodschafts-behörden in Oppeln mit der Initiative gestartet, den verfallenen Palais- und Gutskomplex der Oppelner Diözese zu übergeben. Dadurch konnte dieser aufgebaut werden und Groß Stein gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das Schloss gilt nun als eins der kostbarsten Kulturdenkmäler im Oppelner Schlesien  und darüber hinaus als Stätte der Integration und Versöhnung zwischen Kirchen, Nationen und Volksgemeinschaften.

 

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Die ältesten nachweisbaren den Ort „Stein“ betreffen Überlieferungen befinden sich in der „Polnischen Chronik“ des Gall Anonim und stammen vom Beginn des 12. Jahrhunderts. Im II. Buch der „Chronik“ stößt man auf eine Aufzeichnung über „einen Ort, genannt Stein/Kamień“ (lat. Loco vocabulo lapis). In diesem Text beschreibt der Chroniker ziemlich ausführlich einen Konflikt zwischen dem Fürst Bolesław III Krzywousty und dessen Bruder Zbigniew. In diesem Zusammenhang sowie in dem der permanenten Bedrohung durch Böhmen, erwähnt Gall Anonim den Brand in Koźle (Cosel). Diese Mitteilung hatte zur Folge, dass Bolesław sich unwerzüglich nach Schleasien begab, um die abgebrannte Burgstadt wiederaufzubauen und zu befestigen, was er auch mit Erfolgdurchführte. Nach Anonims Überlieferung hielt ar sich damals im Ort „Stein/Kamień“ auf, wo er seinen Standort einrichtete, um sich von dort aus nach Cosel und die umliegenden Ort zu begeben und deren Aufbau und Befestigung persönlich zu beaufsichtigen. Ein genaues Datum ließ sich für den Aufenthalt des Fürsten Boleslaw in Stein/Kamień bis zum heutigen Tag nicht eindeutig feststellen. Im „Codex Diplomaticus Silesiae“ wurden die geschilderten Ereignisse mit dem Jahr 1104 in Verbindung gebracht. Ebenfalls H. Neuling knüpft an die im „Codex Diplomaticus Silesiae“ überlieferten Geschehnisse an und äußert sich für die Anwesenheit Boleslaws in Stein/Kamień im Jahr 1104. Mann kann also annehmen, das dieses Datum – obgleich nur vermutlich – als erster nachweisbarer Breicht über Groß Stein/Kamień gelten kann. Groß Stein kann sich damit rühmen, dass dort einer der Größten des Mittelalters, der hl. Hyazinth geboren wurde. Er stammte aus dem alteingesessenen Adelsgeschlecht Odrowąż, ähnlich wie die seligen Czeslaw und Bronislawa, die in Groß Stein bis heute sehr verehrt werden.

 

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Das Leben der Bewohner von Groß Stein konzentrierte sich Jahrhunderte lang um einige Stätten, die eine Art von Sakralkulturzentren bilden: die Pfarrkirche, die Hyazinth-Kapelle sowie das lokale Schloss. Jedes dieser Objekte hat seine eigne Wirkung auf die Bevölkerung von Groß Stein und Umgebung und insgesamt sie eine Art Resultante, die Gestalt und Charakter des Ortes bestimmt.

 

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Die erste schriftliche Überliferung über die Pfarrkirche zu Groß Stein stammt aus dem Jahr 1271. Sie gehört zu den 50 ältesten Kirchen in Oberschlesien. In ihrer frühesten Zeit war die Kirche höchstwahrscheinlich dem hl. Urban geweiht. Später bekam sie zwei neue Schutzpatronen: den hl. Hyazinth und die hl. Hedwig.

 

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Ein wichtiger Punk in Groß Stein ist das Schloss, in dem sich die Hyazinth-Kapelle befindet. Es ist im Besitz der Diözese Oppeln. Nach dem Zweiten Weltkriege wurde das Schloss als ehemaliger deutscher Besitz verstaatlicht. Man errichtet hier Kinderheim. In den fünfziger Jahren wurde der nahegelegene Flugplatz ausgebaut. Im Nachhinein wurden die Kinder aus dem Schloss entfernt und dieses zum Militärobjekt umgestaltet zu dieser Zeit kam es zu seinem völlige Verfall und schließlich fiel es im Mai 1970 einer Brandstiftung Opfer. Im Zeitraum 1990-1994 wurde das Schloss wiederaufgebaut. Die Aufbauarbeiten wurde von Dr. Albert Glaeser geleitet. Es gelang, di historische Architektur des Schlosses zu rekonstruieren. Die Einweihung der wiederhergestellten Hyazinth-Kapelle und des Schlosses fand am 14. August 1994 statt. Den Einweihungsfeierlichkeiten präsidierte Kardinal Joachim Meissner aus Köln. Heut dient das Schloss als Kultur- und Wissenschaftszentrum der Theologischen Fakultät an der Universität Opole. Es fungiert ebenfalls als Zentrum für Einkehrtage und Ökumene. Darüber hinaus werden dort inländische und internationale Konferenzen und Symposien für unter schiedliche gesellschaftliche Gruppen veranstaltet. Diesen Ort besuchen Pilger, Wissenschaftler, Geschäftsleute aus dem In- und Aus- land. Hier treffen sich Studenten, nicht nur von der Oppelner Universität, sondern auch Studenten, Professoren und Vertreter verschiedener akademischer Kreise aus vielen Ländern. An diesem Ort kommt es zahlreiche wichtige Begegnungen lokaler Art.

 

 

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In Groß Stein gibt es eine öffentliche Grundschule mit Kindergartenstufe, eine Bibliothek sowie einen Klubraum. In den letzen Jahren wurde bei der dortigen Pfarrgemeinde ein für alle zugänglicher sport- und Erholungskomplex Ein gerichtet. In einem renovierten Gebaüde wurde eine nichtöffentliche Gesundheitsfürsorgeanstalt eröffnet. In der Ortschaft finden wir auch die Sankt-Hyazinth-Apotheke. Die Bewohner sind sich in etlichen Vereinen tätig: im DFK, bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Verein der Freunde von Groß Stein. Es gibt eine Volksmusikgruppe und Liederensemble sowie ihre Arbeit üben hier Volkskünstler aus, geschweige, dass der älteste tätige Stellmacher in der Woiwodschaft Oppeln hier wohnt.

 

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1994 berief der Oppelner Bischof im wiederaufgebauten Schloss Groß Stein das Sanktuarium des hl. Hyazinth mitsamt dem Kultur- und Wissenschaftszentrum der Theologischen Fakultät an der Oppelner Universität sowie das Zentrum für Einkehrtage und Ökumene. Zahlreiche, Pilger, Wissenschaftler und Geschäftsleute kommen nun hierher. Das Sanktuarium des hl. Hyazinth ist nun nach dem Annaberg der zweitgrößte Wallfahrtsort in der diözese Oppeln. Das Kultur- und Wissenschaftszentrum zieht Wissenschaftler, Kultur- und Geschäftsleute wie auch Kommunalpolitikier und Veretrer der lokalen Behörden an, die dort einen geeigneten Ort für Konferenzen, Symposien und Begegnungen finden. Zugleich können sie das Oppelner Schlesien und seine Kultur näher kennenlerner, so mancher Unternehmer entscheidet sich dafür, hier zu investieren un somit neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das Zentrum ist auch ein Versöhnungsort zwischen Völkern, Kulturen, Kirchen.

 

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Im Jahr 2000 nahm die Dorfgemeinde Groß Stein am Programm „Dorferneuerung“ sowie am Wettbewerb „Das schöne Oppelner Dorf“ teil und gewann den II. Platz. Neue Entwicklungschancen für Groß Stein sind eng mit dem geplanten balneologischen Sanatorium, aber auch mit dem nahe gelegenen Flugplatz verbunden. Man plant ebenfalls ein Zuchtgestüt für Pferde und die Anlage eins botanischen Gartens. Alle diese Investitionen und Pläne lassen die Bewohner von Groß Stein und die Gemeinderäte mit Optimismus in die Zukunft dieses Ortes Schauen.

 

 

„Kamień Śląski – szmaragd opolskiej ziemi“, Ks. Zygfryd Glaeser,

Opole 2004